Miszellen

‚Kein Schreiben ohne Muße?!‘

Merle Ueding

Download

Diese Frage diskutierten die Autorinnen Annette Pehnt (Freiburg), Marie T. Martin (Köln) und der ebenfalls aus Freiburg kommende Autor Myron Hurna am 10. November 2015 im Freiburger Café artjamming. Das Gespräch wurde von den SFB-Mitarbeiterinnen Rebekka Becker, Susanne Bernhardt, Bianca Blum und Heidi Liedke moderiert, die die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Literaturbüro Freiburg organisiert hatten.

Muße, so wurde schnell klar, ist ein begehrtes Gut, das nicht leicht zu finden ist. Dass ein enger Zusammenhang zwischen Muße als einem Raum, der frei ist von äußeren Zwängen, und kreativem Schreiben besteht, darin sind sich die drei AutorInnen einig. So berichten sie, dass sich beim Schreiben auch ein ‚Mußeraum‘ öffnen kann – hier vor allem anfangs, wenn das Schreiben noch ein unbestimmter, richtungsfreier Prozess ist oder noch früher, wenn man sich Zeit- und selbstvergessen treiben lassen kann. Dennoch bleibt oftmals nur ein ‚Sehnsuchtsbild der Ruhe‘, da Termindruck, inneres Getriebensein, Lesungen ebenso wie unvorhersehbare Schreibblockaden der Muße nur allzu schnell den Garaus machen. Die Professionalisierung des Schreibens führt zu einem Verlust der Muße. Auftragsarbeiten, Zeitdruck bei der Fertigstellung von Manuskripten, auch ökonomischer Druck – viele Faktoren stehen einem Muße-Erleben, wie es sich landläufig mit der Vorstellung vom Leben eines Künstlers und einer Künstlerin verbindet, im Weg.

Doch Muße verbindet sich nicht nur mit der Sehnsucht nach ungefüllter, frei verfügbarer Zeit. Auch dem Raum kommt, darin sind Annette Pehnt, Marie T. Martin und Myron Hurna sich ebenfalls einig, große Bedeutung zu. Dabei müssen es aber nicht immer ‚klassische‘ Mußeorte, wie zum Beispiel eine Bibliothek, der eigene Schreibtisch, ein Platz am Fenster oder ein abgeschiedenes Ferienhaus in der Natur sein: Im schlimmsten Fall können diese nämlich sogar das Gegenteil bewirken und durch Zwang und Druck den Schreibprozess blockieren. Doch manchmal, wenn man es schafft, den Blick schweifen zu lassen, wenn man empfänglich wird für das, was im Augenblick geschieht, dann kommt man der Muße sehr nahe. Und wenn der äußere Raum zu bewegt ist, wenn man von Termin zu Termin reist, braucht man einen inneren Raum der Muße, einen Rückzugsort, an den man sich in die eigene Imagination zurückziehen kann.

Kurze Lesungen der AutorInnen aus eigenen Texten, die das Thema Muße aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten, ergänzten die spannenden Diskussionen, die Einblicke in das persönliche Verhältnis der AutorInnen zum Schreiben gewährten. Marie T. Martin las aus ihrem Roman Vier Wände, Myron Hurna stellte einen Ausschnitt seiner Lyrik vor und Annette Pehnt präsentierte zwei kurze Geschichten aus ihrem Erzählband Der kleine Herr Jakobi.

Empfohlene Zitierweise:


Merle Ueding: ‚Kein Schreiben ohne Muße?‘
In: Muße. Ein Magazin, 2. Jhg. 2016, Heft 2, S. 22-23.
DOI: 10.60494/musse-magazin/2.2016.22
URL: http://mussemagazin.de/?p=1748
Datum des Zugriffs: 19.08.2017

Zum Zitieren nutzen Sie bitte die Seitenzahlen der PDF-Version

 

Comments are closed.