Editorial

Ausgabe # 3

Sich der Muße in Zeiten komplexer, oft globaler Krisen zu widmen, stößt immer wieder mal auf Unverständnis innerhalb und außerhalb der Akademie, das sich bestenfalls in einem skeptischen Ton äußert – „Muße, soso, ich wünschte, ich könnte mich auch mit solchen Themen beschäftigen…“ – häufig aber auch schlicht mit bitterer Ablehnung gepaart ist – „Wer bitte braucht schon so was wie eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Muße?“. Der Vorwurf, dies sei doch „reiner Luxus“, fällt dabei auch von Zeit zu Zeit, denn einer solchen Forschung fehlt augenscheinlich der konkrete Problemlösungscharakter.

In unserer dritten Ausgabe widmen wir uns deshalb solchen Fragen: Wann ist Muße tatsächlich Luxus, im Sinne eines Privilegs das nur Wenigen zufällt und deshalb ausgrenzend und elitär wirkt? Und auf welche Weise kollidieren Vorstellungen von Luxus und Muße, wann ist beides unvereinbar oder notwendig miteinander verbunden?

Diese komplexe Verbindung von „Muße und Luxus“ ist aus unserer Sicht am besten kaleidoskopisch zu beleuchten, so dass wir auf ganz unterschiedlichsten Feldern danach gesucht haben. In unserem Leitartikel geht also Roman Kiefer der ›Anrufung des müßigen Selbst‹ nach, die die Ratgeberliteratur zum sogenannten Sabbatical recht eintönig beschwört. Christoph Henning setzt sich im wissenschaftlichen Artikel mit Glück zwischen Tätigsein und Muße auseinander und in unserem Interview sprechen wir mit Lisa Zügel über luxuriöse Mode und warum Muße gerade in der Modebranche zum Luxus geworden ist.

Außerdem stellen wir subjektive Erfahrungsberichte einander gegenüber, die von Aufenthalten in internationalen Archiven und Bibliotheken erzählen. Sie blicken hinter das Bild solcher Forschungsstätten als Orte mußevoller Gelehrsamkeit und berichten von Arbeit und auch dem Versiegen der Inspiration, das sich gerade dort einstellen kann. In den Miszellen blicken wir auf den Luxus des Im-Bett-Bleibens, der zeitintensiven medizinischen Versorgung und auf die Ursprünge des neubürgerlichen Strick-Hobbys. Unsere Rezensionen behandeln die Diva des ostentativ-nostalgischen Luxus, Lana del Ray, und die Frage, wie ein Leben jenseits der ganz und gar unluxuriösen Zwänge der Erwerbsarbeit aussehen könnte.

Als kleinen dekadenten Zusatz enthält diese Ausgabe drei Videobeiträge, in denen Friedrich Liechtenstein glänzt, saftige Torten verlocken und drei Mitarbeiterinnen des Missy Magazines mit uns darüber sprechen, warum die faule Frau kein Luxusweib ist, sondern eine feministische Utopie sein sollte.

Lassen Sie den Luxus einkehren!

Anna Karina Sennefelder und Pia Masurczak
(Herausgeberinnen der 3. Ausgabe)

Für das Redaktionsteam –
Bianca Blum
Martin Büdel
Heidi Liedke
Kerstin Fest
Tobias Keiling

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