Glossar

Luxus mit Friedrich Liechtenstein

Heidi Liedke

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Wenn jemand ein Würstchen statt einer Zigarre zwischen den Fingern halten und dabei elegant aussehen, oder in einer Badewanne in H-Milch liegend sehr, sehr entspannt aussehen kann, dann ist das Friedrich Liechtenstein, dann ist das „supergeil“. Der an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ausgebildete Musiker, Puppenspieler und Unterhaltungskünstler bezeichnet sich als „Performer“ und Schmuckeremit, macht Musik und Kunst-Installationen und erzählt doch mit allem vor allem humoristische Geschichten. Schräg, süffisant, wohlklingend. Für Muße. Ein Magazin hat Liechtenstein spontan ein Telefonat inszeniert – obwohl er kein Telefon hat – und führt darin aus, was für ihn „Luxus“ ist. Wir finden’s superlässig.

Konzept und Fragen: Heidi Liedke
Dank an: Friedrich Liechtenstein und Miriam Schroetter (Artist Network, Berlin)
Liechtensteins aktuelles Album „Bad Gastein“: http://heavylistening.de/liechtenstein/bad-gastein/

—Transkription—
Darf ich dein Telefon kurz benutzen? Ja? Ok, danke. Ja, hier bin ich wieder, Liechtenstein, genau. Luxus? Ja, Luxus! Muss es geben, sollte es wirklich geben, wir brauchen Überfluss. Wenn alles so auf knapp genäht ist, das macht doch keinen Spaß. Was ist Luxus? Ja, das ist natürlich eine gute Frage. Ich weiß schon, was ihr hören wollt: Zeit mit meiner Familie und so weiter. Ja, das ist auch alles Luxus, aber ich glaube, wir sollten konkret über Dinge reden, die richtig teuer sind und richtig viel Spaß machen, die glänzen, die gut aussehen und die auf eine perverse Art für Verschwendung stehen. Das mag ich auch, nicht immer, ist langweilig, aber ab und zu auf jeden Fall. Ja, auf jeden Fall! Ja, gern teuer, gern groß, ja alles alles. Schmuckeremit, das ist ja nicht der sogenannte oder selbsternannte, sondern das ist die Definition für das, was ich getan habe. Ja, ich war Schmuckeremit, genau, kann man auch googlen. Ursprünglich sind das sehr arme Leute, die haben zwar dafür Geld bekommen, dass sie im Park wohnten, aber die durften sich nicht pflegen, mussten einsam sein. Ich war nicht einsam, ich war unter Leuten und bei mir war es so, dass ich mich pflegen sollte, ich sollte schick aussehen. Sollte also Schmuckstück sein. Das war Luxus für die Firma. Die konnten sich so einen Typen halten und das war sehr schön, ich war so eine Art Grünpflanze. Nein nein, es ist nicht nur Luxus, es ist auch ein Kerngeschäft des Kapitalismus. Das heißt die beiden Sachen: Aufmerksamkeit und die Erzählung der Marken, das war mein Business. Also auch kein richtiger Luxus, sondern mehr eine Notwendigkeit, also eine Aktion, die die Not wendet in Nicht-Not. Klugscheißerei. Jetzt wohne ich auch sehr luxuriös…mhm…ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen. Ja, Zeit zu haben ist Luxus. Zu viel Zeit haben ist natürlich scheiße. Mhm, das sind ja alles so neunmalkluge…nein nein, ich finde, wir machen es uns einfacher, wenn wir wirklich über Glanz sprechen. Ich sage Ihnen was, viele Leute finden Glanz gut, weil sie hoffen, dass sie sich selbst darin spiegeln können, deshalb lieben sie Dinge, die glänzen. Also lieben sie nicht die Dinge, die da glänzen, sondern die Möglichkeit, sich selbst darin zu spiegeln. Ja…Ja…Gold ist schön, ich liebe Gold, Diamanten, tolle Hotels, tolle Autos, schöne Outfits. Ich liebe teure Friseure, teure Friseurbesuche. Ja…Ja! Okay? Ja…Nein, ich habe kein Telefon, das habe ich mir hier kurz ausgeliehen. Nein nein, das ist nicht meins. Okay, danke, es war schön. Tschüß…ja…Tschühüß

Transkription von Simon Sahner

Empfohlene Zitierweise:

Heidi Liedke/Friedrich Liechtenstein: Luxus mit Friedrich Liechtenstein,
In: Muße. Ein Magazin, 2. Jhg. 2016, Heft 1, S. 28-29.
DOI: 10.6094/musse-magazin/1.2016.28
URL: http://mussemagazin.de/?p=1348
Datum des Zugriffs: 21.07.2018

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